Weniger Täter-Opfer-Ausgleiche im Land Sachsen-Anhalt
Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet am 25.05.2010
Die Möglichkeit zum Täter-Opfer-Ausgleich ist 2009 in Sachsen-Anhalt seltener genutzt worden als zuvor. Dieser bietet die Chance, auf freiwilliger Basis einen Konflikt außergerichtlich zu lösen. «Die Tendenz ist fallend. 2009 hatten wir 1137 Fälle, in den Jahren zuvor waren es immer mehr als 1300», sagte die stellvertretende Leiterin des Projekts beim Landesverband für Straffälligen- und Bewährungshilfe (LVSB), Melanie Kaulisch, der Nachrichtenagentur dpa. Einen Grund für den Rückgang könne sie aber nicht nennen. «Seitens der Staatsanwälte haben wir ausreichend Stütze.» Die meisten Fälle würden den Schlichtern von den Staatsanwaltschaften zugewiesen.
Laut Kaulisch arbeiten rund 20 professionelle Schlichter an 14 landesweiten Projektstandorten. Ziel ist eine von beiden Seiten akzeptierte Wiedergutmachung des Schadens, der durch eine Straftat entstanden ist. «Es gibt immer wieder Fälle, die scheitern, aber wir haben eine relativ gute Quote von rund drei Viertel», sagte Kaulisch. Der Täter-Opfer-Vergleich sorgt nach verschiedenen Taten dafür, dass die Interessen der Opfer gewahrt werden und Täter eine Wiedergutmachung leisten können.
«Am häufigsten sind Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Diebstahl und Betrug», sagte Kaulisch. Oft entschuldigen sich die Täter bei den Opfern - 2009 war das 708 Mal der Fall. «Relativ häufig gibt es eine Schadenersatzlösung.» Ausgemacht wurden im vergangenen Jahr bei 778 geschlichteten Fällen insgesamt gut 78 400 Euro Schadenersatz und 46 500 Euro Schmerzensgeld. 37 Mal wurden entwendete Dinge zurückgegeben. Oft erbringt der Täter laut Kaulisch eine Arbeitsleistung für Dritte.
Ein Täter-Opfer-Ausgleich besteht aus mindestens drei Treffen: Erst gibt es ein Einzelgespräch mit dem Täter, dann eines mit dem Opfer, wenn beide zustimmen, treffen sie begleitet vom Schlichter aufeinander. Allerdings ist das Verfahren noch immer nicht ausreichend bekannt, beklagte Kaulisch. «Viele Leute wissen gar nicht, dass die Möglichkeit eines Täter-Opfer-Ausgleichs besteht.»
Täter-Opfer-Ausgleich anders verstanden
Vier Jahre nach dem Release seines Debütalbums 'Schock fürs Leben', steht am 21. Mai der Release von JAW zweitem Studioalbum 'Täter-Opfer-Ausgleich' an. Laut der offiziellen Pressemitteilung handelt es sich auf dem Album um
den Versuch, erlittenen Schmerz, psychische Abgründe und erfahrene Ungerechtigkeit mit veräußerter Gegenjustiz auf einen Nullwert zu setzen und einer psychologisch unweigerlich gekoppelten Wut Raum zu verschaffen.
Gefängnisseelsorger für Täter-Opfer-Ausgleich und Restorative Justice
Vom 26.-30.04.2010 hat die Bundeskonferenz der evangelischen Gefängnisseelsorger stattgefunden.
Zu den künftigen Schwerpunkten gehöre die Entwicklung von Alternativen zum Strafvollzug, beispielsweise ein Täter-Opfer-Ausgleich.
hieß es in einer Erklärung des evangelischen Pressedienstes.
In den Leitlinien für die Evangelische Gefängnisseelsorge in Deutschland wird auf Seite 30 der Täter-Opfer-Ausgleich explizit als Ziel formuliert. Im Kapitel 5 "Herausforderungen an die Praxis" wird die Sinnhaftigkeit von Mediation und Restorative Justice hervorgehoben.
13. TOA-Forum in Potsdam - Fachkongress für Täter-Opfer-Ausgleich
Unter dem Motto "TOA Version 2010 - benutzerfreundlich, justizkompatibel, stabil" findet vom 9. bis 11. Juni 2010 in Potsdam im Brandenburgsaal der Staatskanzlei (siehe Bild nebenan) das 13. Forum für Täter-Opfer-Ausgleich statt.
Wer ist angesprochen und worum geht es?
Das Forum für Täter-Opfer-Ausgleich richtet sich an Praktiker aus dem Bereich Täter-Opfer-Ausgleich sowie an Beschäftigte in der Opfer- und Täterhilfe.
Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte und Polizisten sind ebenso angesprochen wie Lehrer, Priester, Mediatoren und all diejenigen, die sich für die Grundgedanken von Restorative Justice interessieren bzw. damit schon vertraut und verbunden sind.
Alle zwei Jahre bietet das Forum für Täter-Opfer-Ausgleich Informationen, Austausch, Orientierung, Blicke über den Tellerrand - und ist damit die aktuelle Informationsdrehscheibe für Fragen rund um die Themenbereiche ausgleichende Gerechtigkeit und Täter-Opfer-Ausgleich.
Veranstaltet wird das Forum vom Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung in Köln.
Stellenangebot TOA-Servicebüro
Der DBH-Fachverband sucht für sein Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung in Köln eine(n) neue(n) Mitarbeiter(in). Die Halbtagesstelle soll ab dem 1.Juli 2010 besetzt werden.
Stellenangebot
Die TOA Fachstelle Münster sucht zum 15.04.2010 eine Dipl. Sozialpädagogin/Dipl. Sozialpädagogen oder vergleichbare Qualifikation für die Durchführung des Täter - Opfer - Ausgleichs im Rahmen des Jugendgerichtsgesetzes (Mediation in Strafsachen).
Zusatzausbildung oder die Bereitschaft zur Qualifizierung als Konfliktberater oder gleichwertige Qualifikation ist erforderlich.
Arbeitszeit: 19,5 Std./Wo
Bewerbungsschluß ist der 26.02.2010
Weitere Informationen:
Verein sozial-integrativer Projekte e.V., Frau Petra Rohland
Wasserstr. 9
48147 Münster
Tel: 0251-55123
www.vip-muenster.de
Auge um Auge, Zahn um Zahn - kein Freifahrschein für Racheengel
Wer kennt ihn nicht, diesen Satz: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und die meisten Denken dabei an die Rechtfertigung von Rache und Gewalt. Dabei verhält es sich genau umgekehrt.
Nicht die willkürliche, unbegrenzte Rache, sondern das Gebot einer Verhältnismäßigkeit der Reaktion ist Essenz dieser Aussage.
Wikipedia meint dazu:
Übersetzt als Auge um Auge, oft zusammen mit Zahn um Zahn, wird das Teilzitat meist als Anweisung an das Opfer oder seine Vertreter aufgefasst, dem Täter Gleiches mit Gleichem „heimzuzahlen“ bzw. sein Vergehen zu sühnen („wie du mir, so ich dir“). Jedoch widerspricht der biblische Kontext dieser Auslegung.
Nach überwiegender rabbinischer und historisch-kritischer Auffassung verlangte die sogenannte Talionsformel (von lateinisch talio: Vergeltung) einen angemessenen Schadensersatz in allen Fällen von Körperverletzung vom Täter, um die im Alten Orient verbreitete Blutrache einzudämmen und durch eine Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe abzulösen.
Die Kornwestheimer Zeitung vom 6.11.2009 stellt einen Bezug zum Täter-Opfer-Ausgleich her. Wie man ergänzend auf der Website der Heidelberger Universität nachlesen kann, sind auch renommierte Zeitschriften nicht dagegen gefeit, diesen Irrtum weiter zu verbreiten.
Qualitätsstandards für fachgerechten Täter-Opfer-Ausgleich in der 6. Auflage
Am 2. Oktober 2009, auf dem Fachtag Täter-Opfer-Ausgleich, veranstaltet von Tatausgleich und Konsens e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft TOA des Landes Rheinland-Pfalz und der Bundesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich e.V. wurde die 6. überarbeitete Auflage der TOA-Standards vorgestellt.
Täter-Opfer-Ausgleich
Gegenüber dem traditionellen Ansatz, in der Reaktion auf Straftaten, den Täter, gemäß seiner Schuld, durch ein Gericht zu bestrafen, will der Täter-Opfer-Ausgleich Geschädigte und Täter, aktiv in den Prozess der Wiederherstellung des sozialen Friedens einbeziehen.
Oberste Priorität hat dabei die Freiwilligkeit der Teilnahme für die Geschädigten und Täter. Täter-Opfer-Ausgleich ist ein Angebot an Geschädigte und Beschuldigte, die Straftat und ihre Folgen mit Hilfe eines allparteilichen Vermittlers zu bearbeiten und die Folgen der Tat auszugleichen und Schaden wieder gutzumachen.
Um diese Arbeit im Spannungsfeld zwischen Verursachern von Straftaten und Geschädigten zu leisten sind bestimmte Parameter in den Bereichen Konzeption, Organisation und praktischer Arbeit von den Einrichtungen vorzuhalten.
Standards
Diese Standards für die TOA-Einrichtungen sind 1994 von Praktikerinnen und Praktikern für die Praxis entwickelt worden. Die Redaktionsgruppe ist seinerzeit von den Mitgliedern der „Herbsteiner Konferenz“, einer freien Vereinigung von Mediatoren im Strafrecht, beauftragt worden. Zwischenzeitlich hat die Nachfolgeorganisation, die Bundesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich e.V., gemeinsam mit dem Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich der DBH, die Betreuung der TOA-Standards übernommen. Eine unabhängige Redaktionsgruppe hat in den letzten 12 Monaten die 5. Auflage der TOA-Standards überarbeitet.
Diese nunmehr 6. überarbeitete Auflage zeichnet sich durch Straffung und Fokussierung der Inhalte auf den aktuellen Stand einer sachgerechten und reflektierten TOA-Praxis aus. Besonders im Bereich der Opferinteressen wird die Freiwilligkeit der Teilnahme von Geschädigten klarer formuliert und es wird klargestellt, dass eine Traumatisierung der Geschädigten, eine Teilnahme am TOA ausschließt.
Freiwilligkeit der Teilnahme bedeutet auch, dass Geschädigte sich nicht unter Zeitdruck, z.B. im Gerichtssaal, für einen TOA entscheiden müssen. Die TOA-Standards definieren eine angemessene Frist und die Information und Beratung durch unparteiische Dritte als Standard für Täter-Opfer-Ausgleich.
Orientiert an den Grundprinzipien der Mediation ist die 6. Auflage der TOA-Standards der 1. Auflage treugeblieben. Aber die Straffung und Konzentration auf das Wesentliche stärken die Standards als Instrument der Qualitätssicherung.
Mitgliederversammlung der BAG - TOA e.V. tagte am 02.10.09 in Mainz
Die BAG-TOA e.V. verabschiedete den Entwurf der 6. überarbeiteten Fassung der TOA-Standards auf der Mitgliederversammlung am 02.10.09 in Mainz, nachdem die breite Fachöffentlichkeit die Möglichkeit der Ergänzung hatte und diese durch Arend Hüncken eingearbeitet worden sind.
Der Vorstand der BAG-TOA e.V. wurde tournusgemäß neu gewählt: Es bleiben der 1. Vorsitzende Christian Richter (Hannover), die 2. Vorsitzende Astrid Achterberg (Miesbach), der Beisitzer Arend Hüncken (Alfeld) im Amt. Neu hinzu kamen als Beisitzerin Angela Erdt (Potsdam) und als Kassenführerin Ursula Scheel (Hannover). Ein herzlicher Dank ging an Werner Einig (Koblenz) und Bettina Huppert-Hingst (Saalfeld) für die geleistete Arbeit in den vergangenen Jahren.
Auf der Mitgliederversammlung der BAG-TOA e.V. wurde die überarbeitete bundesweite Statistik von Thorsten Lühr vorgestellt. Es gibt zur Zeit einen Probelauf in 3 Fachstellen. Ab Januar 2010 soll die bundesweite TOA-Statistik für alle TOA Einrichtungen nutzbar sein. Mit dieser Version können die Fachstellen auch ihre eigene Jahresstatistik auswerten.
Die BAG-TOA e.V. erhofft sich eine rege Teilnahme der Mitglieder, damit es eine Übersicht über die bundesweit abgeschlossenen TOA - Fälle geben kann.
Das Gütesiegel hat sich bewährt. Viele Einrichtungen nutzten es für ihre Öffentlichkeitsarbeit vor Ort. Die ersten Fachstellen werden im Frühjahr 2010, also nach 5 Jahren, erneut in einem vereinfachten Verfahren überprüft, damit sie das Gütesiegel der BAG - TOA e.V. weiterhin verwenden können.
Fachtag spannt Bogen von der Friedensarbeit in Nordirland zum Täter-Opfer-Ausgleich
Joe Doherty (rechts im Bild zu sehen) ist eine authentische Persönlichkeit. Sein Vortrag über die Situation in Nordirland und der Bericht über seinen ganz persönlichen Weg vom IRA-Kämpfer, der 23 Jahre im Gefängnis saß, zum Friedensmacher und Jugendsozialarbeiter, ließ seine Zuhörerschaft beeindruckt zurück. Frieden sei selten der einfachere Weg, gleichwohl gibt es dazu keine Alternative, so das Credo des Mannes von der grünen Insel.
Als Männer der klaren Worte sind Bundesanwalt Dr. Wolfram Schädler (pro) und MdB Siegfried Kauder (kontra) im Programm des Fachtages zum Thema 'TOA bei schweren Straftaten' angekündigt worden. Da wurde nicht zu viel versprochen. Das Streitgespräch entpuppte sich als lebendige Diskussion auf hohem Niveau. Die unterschiedlichen Positionen wurden deutlich herausgearbeitet. Beide Seiten zeigten sich jedoch nach eigenen Angaben nicht "beratungsresistent". Man hat zur Fortsetzung des Dialogs ein ausführliches Gespräch vereinbart.
Für alle, die nicht dabei waren, besteht die berechtigte Hoffnung, die aufgezeichneten Vorträge und das Streitgespräch auf diesem Weblog demnächst anschauen zu können
Dank der Unterstützung durch die Sparkasse Mainz konnte in der Woche, in der die Veranstaltung stattfand, die Ausstellung Peace Counts gezeigt werden. Neben dem Engagement von Joe Doherty waren dort die Initiativen von weiteren 23 Friedensaktivisten auf der ganzen Welt zu sehen.
Pressestimmen:
Mainzer Allgemeine Zeitung
Ad Hoc News
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
- 6
- 7
- nächste Seite ›
- letzte Seite »

