18. Februar 2016 (Gerd Delattre)

Erfolgreiche Website von Tatausgleich und Konsens - Informationen für Betroffene sind notwendig

Wer in Google den Begriff Täter-Opfer-Ausgleich eingibt landet an zweiter Stelle (nach Wikipedia) auf der Website von Tatausgleich und Konsens. Im letzten Monat waren es 1300 einzelne Besucher, die sich über den Täter-Opfer-Ausgleich dort informiert haben.

Der allergrößte Teil der Besucher kommt aus Deutschland (1187) und schaut sich vor allem den Bereich 'TOA-erklärt' an. Nicht unbedingt erstaunlich, aber bemerkenswert ist die Tatsache, dass etwa die Hälfte aller Besucher vom Handy aus die Website besuchen.

Diese erfreuliche Entwicklung macht deutlich, wie wichtig klare, verständliche und leicht zugängliche Informationen zum Täter-Opfer-Ausgleich für einen höheren Bekanntheitsgrad dieses Angebots sind. Für Tatausgleich und Konsens ist das ein Ansporn, die Website permanent zu verbessern - etwa durch ein handygerechtes Design.

Im § 406i StPO des neuen 3. Opferrechtsreformgesetz steht

"(1) Verletzte sind möglichst frühzeitig, regelmäßig schriftlich und soweit möglich in einer für sie verständlichen Sprache über ihre aus den §§ 406d bis 406h folgenden Befugnisse im Strafverfahren zu unterrichten und insbesondere auch auf Folgendes hinzuweisen: [...]
5. sie können nach Maßgabe des § 155a eine Wiedergutmachung im Wege eines Täter-Opfer-Ausgleichs erreichen. [...]"

Tatausgleich und Konsens zeigt mit seiner Website, wie solche gesetzlichen Vorgaben mit Leben gefüllt werden können.

24. November 2015 (Gerd Delattre)

Klaus Puderbach erhält Justizmedaille des Landes Rheinland-Pfalz

Der Vorsitzende des Vereins Tatausgleich und Konsens, Klaus Puderbach, hat für sein herausragendes Engagement für den Täter-Opfer-Ausgleich die Justizmedaille des Landes Rheinland-Pfalz aus den Händen von Staatssekretär Dr. Hannes Kopf erhalten. Dabei betonte der Staatssekretär:

Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch auf Bundesebene hat sich Klaus Puderbach über viele Jahre hinweg nachhaltig und erfolgreich für die Einführung, Ausweitung, gesetzliche Absicherung und allgemeine Verbreitung des Täter-Opfer-Ausgleichs eingesetzt. Seinem Wirken ist es in hohem Maße zuzuschreiben, dass der Täter-Opfer-Ausgleich heute allgemein anerkannt und zur Normalität im Justizalltag geworden ist.

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In seiner kurzen Ansprache machte Klaus Puderbach dann deutlich, dass er die Normalität im Justizalltag noch lange nicht als gewährleistet ansieht. Der permanente Kampf der Einrichtungen um eine ausreichende finanzielle Ausstattung mache deutlich, wie wenig Akzeptanz tatsächlich vorhanden sei. Die alleinige Ausrichtung auf Verfahrensbeschleunigung und effektive Abwicklung der Fälle lasse wenig Platz für die dringend notwendige Opferorientierung, der er mindestens so viel Bedeutung wie dem sogenannten Strafanspruch des Staates beimisst.

Wir freuen uns über die Auszeichnung für unseren unermüdlichen Vorsitzenden!

29. Januar 2015 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Opfer begegnen den Tätern - auch im Gefängnis

Dass der Täter-Opfer-Ausgleich keine Diversionsmaßnahme für Bagatellkriminailät ist, hat sich nur begrenzt herumgesprochen. Und noch macher punitiv eingestellter Staatsanwalt sieht darin gerade Mal eine Maßnahme, um eine abgnickte Antenne außerhalb des Gerichtssaals klären und regeln zu lassen.

Dabei ist die Begegnung zwischen Opfer und Täter auf Augenhöhe das, was der norwegische Kriminologe NIls Christie die Rückgabe des Konflikts an die Betroffenen nennt. Und das sollte sich nicht am Straftatbestand, sondern einzig und allein am Willen und Wunsch der Betroffenen orientieren. Wer außer ihnen kann bestimmen, ob eine solche Begegnung hilfreich oder kontraproduktiv ist.

Am Wochenende treffen sich in Mainz, am Sitz des Vereins Tatausgleich und Konsens, Praktiker, die erste Erfahrungen mit Begnungen innerhalb einer Strafvollzugsanstalt gemacht haben. Ziel ist die Ausweitung und großflächige Information über dieses Angebot.

Sind Sie selbst Opfer einer solchen Straftat und sehen in der Begegnung mit dem Täter einen für Sie heilsamen Weg in der Verarbeitung, Scheuen Sie nicht das Servicetelefon unseres Vereins in Anspruch zu nehmen. Wir vermitteln gerne für Sie passende Person, die das Treffen organisiert und die Moderation übernimmt.

30. Juli 2014 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

1,68 Millionen Euro von Tätern für Opfer

In den vergangenen fünf Jahren gab es in Rheinland-Pfalz 7.308 erfolgreiche Täter-Opfer-Ausgleiche mit einer Schadenswiedergutmachung von insgesamt 1.680.259 Euro. Diese Zahlen lieferte der Justizminister Jochen Hartloff im Landtag auf eine Anfrage der Grünen.

Er teilte ebenfalls mit, dass bei der Zahl der Schlichtungen zwischen Tätern und Opfern von Straftaten Rheinland-Pfalz ein Vorreiter ist. Bezogen auf seine vier Millionen Einwohner stehe es im Ländervergleich an zweiter Stelle. "Ziel der Landesregierung ist es, dieses seit vielen Jahren gehaltene hohe Niveau möglichst noch zu verbessern",

29. April 2014 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Justizministerin hospitiert beim Täter-Opfer-Ausgleich

Anke Spoorendonk, die Justizministerin des Landes Schleswig-Holstein ist die erste Politikerin in einem solchen Amt, die bei der Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleichs dabei sein wollte, um sich ein persönliches Bild von der Qualität eines zu machen. Die Ministerin zeigte sich beeindruckt und zollte Täter wie Opfer größten Respekt und wird von der Zeitung cop2cop mit folgenden Worten zitiert: "Ohne näher auf Einzelheiten dieses Falles eingehen zu können möchte ich deutlich machen, dass mich beide Beteiligten beeindruckt haben. Sich als Täter in ein solches Verfahren zu begeben, zeigt für mich die ehrliche Bereitschaft, sich mit seiner Tat und deren Folgen auseinanderzusetzen und daraus zu lernen. Und sich als Opfer dieser Situation zu stellen, bedeutet Mut und den großen Willen, das erlebte Leid zu verarbeiten”.

23. März 2014 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Open-Space-Tagung für Täter-Opfer-Ausgleich in der Eifel

"Weniger Verfahren mit Täter-Opfer-Ausgleich beendet", titelt die Welt online am 16. März 2014. Auch wenn es sich hierbei um einen wahren Einbruch handelt, der sich im bundesweiten Vergleich so nicht widerspiegelt, so ist doch zu konstatieren, dass wir weit von einer weiteren Ausbreitug des Täter-Opfer-Ausgleichs entfernt sind.

Die Annahme der OLG-Sprecherin Sophie Kyrieleis greift da sicher zu kurz. Sie teilte der Nachrichtenagentur dpa mit: "Die Abnahme ist vor allem auf einen allgemeinen Rückgang der Kriminalität zurückzuführen." Die Gründe sind vielfältiger und bedürfen einer genaueren Analyse.

Genau diese will der Verein Tatausgleich und Konsens auch durchführen und Strategien im Umgang mit dieser Situation entwickeln.

Der Verein Tatausgleich und Konsens lädt deshalb alle, die sich mit der oben skizierten Situation nicht abfinden und einen Beitrag zur Veränderung leisten wollen, zu einer Open-Space-Konferenz vom 19. bis 21. September 2014 in die schöne Süd-Eifel ein

16. März 2014 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Man darf es doch mal denken dürfen?

Die einen mögen ihn und kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass die dreieinhalbjährige Haftstrafe zu hoch ausfällt. Die anderen, denen Uli Hoeneß schon immer nicht gefallen hat, sind jetzt voller Häme und sehen das Urteil noch als viel zu milde an.

Dabei geht es uns weniger um Uli Hoeneß, als um die Frage, warum man ein ungeheures (Wiedergutmachungs-)Potenzial vegammeln lässt, wenn man Menschen einfach ins Gefängnis sperrt.

Warum ist es nicht als Wiedergutmachung möglich, Herrn Hoeneß und alle anderen Strafgefangenen, bei denen man nicht mit weiteren Straftaten rechnen muss, einige Jahre lang auschließlich für soziale Zwecke arbeiten zu lassen.

Im Fall Hoeneß ist sicher ein ausreichendes Organisationstalent und ein gutes Netzwerk vorhanden. Er könnte unter Beweis stellen, ob seine außergewöhnlichen Fähigkeiten auch im Non-Profit-Bereich Früchte tragen würden. Der Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Beratungsstellen, egal für welchen guten Zweck, dürfte auch für ihn eine anspruchsvolle, aber lösbare Aufgabe sein.

Klar gibt es dazu im Detail noch eine ganze Reihe offener Fragen. Viele werden schon wieder ein dickes "aber" bereit haben.

Man darf es doch mal denken dürfen? Oder?

29. Januar 2014 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Weil das Opfer das nicht will.....?

SWR 1 Leute, eine meist gute Sendung, in der neulich Wolf-Ortiz Müller, Psychologe und Stalking Experte, gleichzeitig Gründer und Leiter der Berliner Beratungsstelle Stop Stalking, zu Gast war.

Auf die Frage des Interviewers: "Warum macht es nicht Sinn, die (Opfer und Täter) doch an einen Tisch zu setzen, mit der Maßgabe und der Vorgabe, dem Täter klarzumachen, was er dem Opfer antut?", antwortet der Experte: "Schlicht und ergreifend, weil das Opfer das nicht will."

Jede andere Antwort, die sich kritisch mit der Frage, ob Stalking-Opfer sich an einen Tisch mit dem Täter setzen sollen, hätten wir akzeptiert. Wir teilen sogar die Ansicht, dass ein Täter-Opfer-Ausgleich im Stalkingbereich in den seltensten Fällen Sinn macht. Aber in einer nicht zu überbietenden Pauschalität zu sagen, dass die Opfer das nicht wollen, ist wieder einmal eine Paradebeispiel für die Entmündigung im Namen des Opferschutzes.

Man sollte mit und nicht über Opfer reden. Dann würde man nämlich schnell merken, wie unterschiedlich Menschen auf Straftaten reagieren und wie sie sehr unterschiedliche Wege im Umgang damit einschlagen.

10. Oktober 2013 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Schluss mit der Sozialromantik - Kein Buchtipp

Milde und Härte, oder besser ausgedrückt, Nachsicht und Konsequenz sind gleichrangige Bestandteile jedweder Erziehung.

Wer nur eine Seite davon zum Postulat erklärt, ist damit schon auf dem Holzweg.

Der Mensch ist nun mal keine triviale Maschine, die nur eine richtige Eingabe braucht, und schon hat man das gewünschte Ergebnis. Zum Beispiel findet es der eine so beschämend, nach einem Diebstahl von der Polizei nach Hause gebracht zu werden, dass er niemals mehr mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Der andere rühmt sich am nächsten Tag unter seinen Freunden: 'Habt ihr gesehen, wie mich die 'Bullen' nach Hause gebracht haben?“..... Ein- und dieselbe Maßnahme zeitigt eben sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Dumm ist auch noch: Man weiß es selten vorher, was denn nun im jeweiligen Fall eher angesagt ist, und muss sich mit dem Gegenüber schon sehr genau beschäftigen, um zu einer möglichst angemessenen Entscheidung zu kommen. Jeder berichtet da gerne von seinen Erfolgen und verschweigt die Niederlagen. So auch Andreas Müller, Jugendrichter und Autor des Buches 'Schluss mit der Sozialromantik'.

Das Jugendstrafrecht hat explizit den Auftrag zur Erziehung. Insofern sollte sich ein Jugendrichter seiner hohen Verantwortung bewusst sein und über kreative Lösungen, wie zum Beispiel der Täter-Opfer-Ausgleich, nachdenken, anstatt generalisierend 'Schluss mit der Sozialromantik' zu fordern.

07. Oktober 2013 (Tatausgleich und Konsens e.V.)

Standards und nochmal Standards?

Man hätte ja schreiben können: "Der Täter-Opfer-Ausgleich im Strafvollzug in Baden-Württemberg richtet sich nach den Vorgaben des Artikel 12 der Europäischen Opferschutzrichtlinien und den TOA-Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft TOA und dem Servicebüro für Täter-Opfer-Ausgleich und Konfliktschlichtung. Hinzu kommen noch folgende vollzugsspezifische Aspekte: ........"

Nein. So hat man es nicht gemacht. Stattdessen hat man die obengenannten TOA-Standards in weiten Teilen abgeschrieben und um Selbsverständlichkeiten wie, "der TOA im Justizvollzug hat die Menschenwürde und die Menschenrechte der Beteiligten zu achten", (was denn sonst?) bereichert und das Ganze dann Standards zum Täter-Opfer-Ausgleich im Justizvollzug genannt.

Das wäre ja alles nicht so schlimm, wenn nicht mit jeder neuen veränderten Fassung für bestimmte Anwendungsfelder des TOA, nicht ein Stück Verwässerung der bestehenden Standards vonstatten ginge.

Demnächst brauchen wir wohl noch Standards für den TOA mit Jugendlichen, Standards für den TOA mit Senioren. Oder wir wäre es für einzelne Straftatbestände eigene Standards zu entwickeln? Im Verkehrsrecht zum Beispiel?