Weblog von Gerd Delattre
Todesstrafe und Mediation – Streiflicht eines Kurzbesuches in Taiwan
Taipeh. Eine Stadt, in der auf manchen Qudratkilometern bis zu 30.000 Menschen wohnen. Vollzugsanstalten mit mehr als 5.000 Häftlingen.
Die Haftanstalten sind unvorstellbar sauber, der militärische Drill ist durchweg spürbar. Beim Rundgang mit dem Direktor schallt der Begrüßungsruf in jedem neuen Raum hundertfach eindringlich in den Ohren. Bedrückend der Aufenthalt in der Exekutionshalle. 31 Häftlinge sind landesweit zum Tode verurteilt und wissen nicht, ob und wann eine Vollstreckung erfolgt. Manche von ihnen wollen, dass vollstreckt wird.
Dann das zweitägige Seminar: Die junge freundliche Staatsanwältin, die in der Todesstrafe ein geeignetes Mittel zur Prävention sieht. Frau Chen, die Opferanwältin, die sich für die Todesstrafe ausspricht, weil dadurch erst Opfergerechtigkeit hergestellt werden könne. Über 90 Prozent der Bevölkerung befürworten nach Aussage des Staatssekretärs im Justizministerium die Todesstrafe.
Und die andere Seite: Der überaus freundliche Empfang des Tibet-Befreiungs-Aktivisten Tesering am Flughafen. Die vielen jungen Menschen auf dem Campus, die mit ihrer engagierten Geschäftsführerin Frau Lin von Alliance to End the Death Penalty (TAEDP) gegen die Todestrafe auftreten. Eine Justizministerin Wang, die, - gegen den Trend - beharrlich und diplomatisch an deren Abschaffung mitarbeitet. Die mutige Vertreterin des deutschen Instituts Birgitt Ory – eigentlich die Botschafterin, aber Deutschland unterhält keine diplomatischen Beziehungen – welche ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Stop Death Penalty' trägt.
Und dann das unglaubliche Besipiel eines Brandstifters, durch dessen Tat 16 Menschen sterben mussten. Die Mutter eines Opfers versöhnte sich mit ihm und begleitete und betreute ihn dann bis zur Vollstreckung seines Todesurteils.
Mediation wird in diesem Kontext zum wichtigen Thema. Beide Seiten sehen in ihr eine Möglichkeit, mehr Opfergerechtigkeit zu erreichen und damit die verhärtete Situation zwischen den Fronten aufzuweichen.