Täter-Opfer-Ausgleich ... ein schlechter Witz?

22. April 2009 (Ilka Schiller)

Liest man in dem Artikel in dem Internetportal der WAZ Mediengruppe, so fragt man sich, ob man über die Täter lachen oder mit ihnen weinen soll. Und mitten drin ein Täter-Opfer-Ausgleich, den ein Anwalt mutmaßlich dazu nutzen wollte, um „bei den Richtern positiv zu punkten“.

Die Ironie, die ich zwischen den Zeilen lese, lässt für mich fast keinen anderen Schluss zu: Na Gott sei Dank, dass die Richter da nicht weich geworden sind, sondern alle Täter hinter Gitter gebracht haben!

Ich frage mich: Was soll ich als Leser dieses Artikels über Täter-Opfer-Ausgleich denken? Ganz einfach, ich würde denken, dass diese Maßnahme dazu dient, den Tätern eine Möglichkeit zu bieten, sich freizukaufen. Es würde mich ärgern und die vermeintliche Ironie, würde auch in mein Denken Einzug halten.

Aus meiner langjährigen Vermittlungsarbeit weiß ich, dass ein fachlich ausgereifter Täter-Opfer-Ausgleich den Opfern nicht im Gerichtssaal per Brief aufgezwungen wird. Er setzt eine freiwillige und in einem neutralen Rahmen geschützte Teilnahme von Täter und Opfern voraus. Das Ergebnis eines gelungenen Ausgleiches ist nicht von einem Anwalt vordiktiert, sondern das Ende eines fachlich begleiteten Aushandlungsprozesses.

Immer wieder wird diese Maßnahme im besten Falle falsch verstanden. Leider hinterlässt so etwas immer einen schlechten Eindruck in der Öffentlichkeit. Es bleibt der schale Eindruck, dass die Täter sich im Rahmen eines Ausgleiches aus der Verantwortung schleichen können und die Opfer, im Gerichtssaal überrumpelt, zu ihrem "Glück" gezwungen werden.

Doch tatsächlich soll es darum gehen, dass die Täter sich ihrer Verantwortung stellen, aus Einsicht heraus eine Wiedergutmachung leisten möchten und auf dieser Grundlage die Opfer bereit und in der Lage sind, eine Entschuldigung anzunehmen.

Eine derartige Basis schafft man nur über einen kommunikativen Prozess, wie er in der Regel zum Täter-Opfer-Ausgleich dazu gehört. Der Artikel hinterlässt zumindest den Eindruck, dass dies hier nicht geglückt ist.